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Drogen: Sehnsuchtstage – Sehnsuchtsnächte

Vorwort

1972 beschreibt die damals 15-jährige Sängerin Juliane Werding mit ihrem Lied „Am Tag als Conny Cramer starb..“ das Lebensgefühl vieler Drogenabhängiger in den 70-er Jahren und thematisiert damit das Schicksal erster Drogentoter in der Bundesrepublik.

Es war die Zeit des Nato-Doppelbeschlusses und die Stationierung der Pershing II-Raketen in Deutschland. Und es war die Zeit in der das damalige Jugendidol und Pop-Ikone  Jimi Hendrix 1970 an seinem ausufernden Drogenkonsum 27-jährig starb.

1978 wurde in dem biografischen Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo..“  die Situation drogenabhängiger Kinder und Jugendlicher aus dem Berliner Bezirk Neukölln geschildert.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 1972 gibt 25679 bekannt gewordene Delikte an.

In der PKS 2015 werden 282604 Delikte genannt (Straftaten-Schlüssel: 730000).

Wohlgemerkt – es sind nur bekannt gewordene Fälle. Und die Zahl dürfte weiter steigen.

Wenn man jeden Verstoß gegen das BtMG (Betäubungsmittelgesetz) erfassen könnte der tatsächlich stattfindet, dürfte die genannte Anzahl registrierter Straftaten wohl um das 100-fache steigen – eher noch mehr.

Und auch ist es höchst bemerkenswert, dass Rauschgiftbarone in Afghanistan immer noch tonnenweise Rauschgift erzeugen und nach Europa transportieren können. Die europäischen Polizeibehörden laufen dann sehr kostenintensiv und in für sie teils gefährlichen Einsätzen hinterher und sammeln das Rauschgift grammweise wieder ein. Mit den Erlösen aus dem Drogenhandel werden Regierungen finanziert, Kriege geführt, Hotelanlagen gebaut sowie ausschweifende Lebensstile geführt. Andere bezahlen es mit Siechtum und Tod. Drogenhandel ist ein äußerst brutales und kriminelles Gewerbe.

Drogenkartelle haben die gleichen Probleme wie globale Konzerne und die Gefängnisse fungieren quasi als Arbeitsamt für die Kartelle (aus Der Spiegel Nr. 39/2016).

Drogenkonsum und Drogenabhängigkeit treten aber nicht urplötzlich auf, sondern entwickeln sich aus den Lebensumständen des Einzelnen und Neigungen zu einer Gefährdung können schon im Kindes- und Jugendalter entstehen.

Aus diesem Grund stehen Erwachsene in der Verantwortung, dass sich Kinder und Jugendliche gegen Drogen entscheiden können. Kinder brauchen:

  • Bewegung und richtige Ernährung
  • Seelische Sicherheit
  • Anerkennung und Bestätigung
  • Freunde und Freiräume
  • und sie brauchen Träume und Lebensziele

Ein hohes Maß an Verantwortung tragen auch Schulen, Kirchen und Vereine.

Dennoch kann man zu der Überzeugung gelangen, dass Prävention und Strafverfolgung die Nachfrage nach Drogen nicht entscheidend beeinflussen können.

Kinder lernen von Gleichaltrigen. Um nicht im Abseits zu stehen und in der Gruppe akzeptiert zu werden, geben Manche dem Druck zum Drogenkonsum nach. Der erste Drogenkontakt findet nicht durch den unbekannten Dealer an der Straßenecke statt sondern überwiegend im Freundeskreis.

Warnzeichen

  • Plötzliches Absinken der Schulleistungen auf allen Gebieten
  • Aufgabe oder ständiger Wechsel des Freundeskreises
  • Totale Isolation
  • Teilnahmslosigkeit
  • Abbruch der Schul- und Berufsausbildung
  • Unerklärlicher Geldmangel

Rauschgifte sind teuer und kaum ein Abhängiger kann seinen Konsum aus legalen Mitteln bezahlen und es müssen andere Geldquellen erschlossen  werden. Aus der Haushaltskasse fehlt Geld und am Arbeitsplatz vermissen Kollegen Geld und Wertsachen.

Ein Drogenabhängiger benötigt pro Tag bis zu 100 Euro, teils auch mehr. Also müssen neue Geldquellen erschlossen werden. Solche Summen können dann nur noch durch Diebstahl, Raub oder Prostitution aufgebracht werden.

Legale Drogen

Die gängigsten dieser legalen Drogen sind Alkohol, Nikotin, Medikamente und im zunehmenden Maße auch Koffein (Red Bull etc.)

Alle vier können die Gemütslage verändern, abhängig machen und Entzugserscheinungen bewirken. Sie können stimulierend und entspannend wirken, aber auch Gereiztheit, Aggressivität und Traurigkeit hervorrufen. Risiken sind psychische und physische Abhängigkeit, Hemmungsverluste, erhöhtes Krebsrisiko und Unfallgefahren

Besonders das „Rauschtrinken“ oder das „Komasaufen“ birgen ein hohes Risiko. Zuviel Alkohol kann zur Bewusstlosigkeit führen und es droht ein lebensgefährlicher Atemstillstand. Langzeitfolgen von zu viel Alkoholkonsum können Schäden am Nervensystem, dem Gehirn oder der Leber sein, die langfristig auch zum Tod führen können.

Bei den E-Zigaretten/E-Shishas wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit mit einem Heizgerät verdampft. Dieser Dampf enthält neben dem Nikotin auch andere chemische Zusätze und Duftstoffe. Die gesundheitsschädigende Wirkung darf nicht unterschätzt werden weil dem Körper zahlreiche Schadstoffe zugeführt werden.

Es gibt noch keine wissenschaftlich belegten Erkenntnisse darüber, ob E-Zigaretten unterstützen können, mit dem Rauchen aufzuhören.

Unsere Tipps dazu:

  • E-Zigaretten enthalten schädliche Substanzen
  • Du entscheidest Dich ganz alleine für oder gegen Alkohol und für oder gegen zuviel Koffein (Red Bull etc.)
  • Nimm nur Medikamente ein die für die Gesundheit notwendig sind, treibe keinen Missbrauch
  • Bleib mit Deinen Problemen nicht alleine – gehe zu Beratungsstellen ( siehe letzte Seite )
  • Beachte die Altersbeschränkungen und verhalte Dich verantwortungsvoll

Illegale synthetische Drogen

Dazu gehören Pulver, Tabletten und Flüssigkeiten die in illegalen Laboratorien auf chemischem Weg hergestellt werden. Besonders gefährlich ist ihre unbekannte Zusammensetzung und Dosierung. Rauschdauer und Rauschintensität sind unkalkulierbar.

Legal Highs

Diese Kräutermischungen enthalten chemische Zusätze die teils durch das BtMG verboten sind. Inhaltsstoffe auf der Verpackung sind teils unvollständig oder vorsätzlich falsch wodurch das Gesundheitsrisiko unkalkulierbar wird.

Der Name und die Aufmachung sollen Dir einen harmlosen Eindruck vermittteln – man kann aber die Gefährlichkeit dieser Stoffe nicht einschätzen.

Ecstasy

Auch XTC genannt,  ist eine synthetische Droge  vorwiegend in Tablettenform. Ecstasy wirkt stimulierend, aufputschend, hemmungsabbauend, leistungssteigernd. Hunger, Durst und Müdigkeit werden nicht mehr gefühlt. Und es besteht die Gefahr einer Überhitzung des Körpers. Es kann zu Zusammenbrüchen mit Todesfolge kommen.

Eine längere Einnahme von Ecstasy oder höhere Dosen können zu Verwirrtheit, Schlafstörungen, Leber- und Nierenschäden und Psychosen führen.

Crystal Meth

Crystal Meth, auch als Crystal Speed oder nur als Meth bezeichnet, ist meist pulverförmig und erinnert an Eiskristalle oder Glassplitter. Es wird chemisch hergestellt und geraucht, geschluckt oder gespritzt.

Es kann bis zu fünffach stärker wirken als gewöhnliches Amphetamin und bewirkt eine hohe Ausschüttung von Adrenalin. Das setzt den Körper unter Dauerstress. Hunger, Durst und Müdigkeit sowie Schmerzempfinden werden unterdrückt.

Der Konsum von Crystal Meth führt sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit – auch bei geringen Mengen.

Amphetamin

Amphetamin wird auch „Speed“ oder „Pep“ genannt und wird in illegalen Laboren erzeugt. Es wird häufig als Aufputschmittel benutzt um Ermüdung, körperlicher Anstrengung, Schmerzen und Müdigkeit entgegen zu wirken. Kontaktfreudigkeit wird gesteigert.

Amphetamine machen stark  psychisch abhängig mit Entzugssymptomen wie Niedergeschlagenheit, Depressionen und paranoide Zustände.

Illegale Drogen

Illegal sind Drogen dann, wenn der Anbau, Besitz, Erwerb oder der Handel per Gesetz verboten sind. Das BtMG führt dazu eine Liste mit zahlreichen Substanzen. Diese Liste wird ständig erweitert da immer wieder neue Substanzen auftauchen.

Haschisch und Marihuana

Cannabis ist der Oberbegriff und wird aus Pflanzenteilen oder dem Harz des Indischen Hanfs gewonnen. Das aus den weiblichen Blüten und den Blättern gewonnene Harz nennt man Haschisch oder Cannabisharz. Dazu zählen

  • Haschisch – Krümel oder Pulver von grüner, roter, brauner oder schwarzer Farbe. Auch zu Platten gepresst.
  • Marihuana – getrocknete Pflanzenteile, Aussehen wie Tee oder Gras
  • Haschischöl – schwarzbraunes Öl mit größtem Anteil am berauschenden Wirkstoff THC

Die Produkte werden vermischt in selbst gedrehten Zigaretten (Joints), Pfeifen oder Rauchrohren geraucht. Oder sie werden in Kuchen und Gebäck eingebacken oder als Tee zubereitet. Es bestehen große Gefahren psychischer Abhängigkeit und Apathie.

Kokain und Crack

Kokain ist ein weißes kristallines Pulver, das unter der Verwendung chemischer Substanzen aus den Blättern der Koka-Pflanze gewonnen wird.

Crack ist eine Mischung aus Kokain und Substanzen wie etwa Backpulver, die man als Masse aus gelblich-weißen Brocken rauschen kann. Kokain wird meist geschnupft, selten aber auch in die Schleimhäute eingerieben oder gespritzt. Crack wird geraucht.

Durch den Genuss wird ein intensives Gefühlsempfinden ausgelöst, aber auch Angstzustände. Kokain verursacht eine starke psychische Abhängigkeit, tiefe Depressionen, Wahnvorstellungen sowie eine starke Bereitschaft zu Gewalttätigkeiten.

Im Anbaugebiet Kolumbien kostet das Gramm Heroin 2 US-Dollar. Der Straßenverkaufspreis in den USA beträgt 82 Dollar je Gramm/Reinheitsgehalt unter 60 % (Quelle: Der Spiegel Nr. 39/2016).

K.O.-Tropfen (oder: Liquid Ecstasy)

K.O-Tropfen sind Drogen, die einen Menschen bewusstlos, hilflos oder handlungsunfähig machen. Die häufigste Form ist GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure).

Im Gegensatz zu anderen Drogen werden KO-Tropfen nicht dazu genutzt sich selber zu berauschen, sondern um andere Menschen Handlungsunfähig zu machen. Dieser wehrlose Zustand wird dann häufig dazu genutzt, das Opfer auszurauben oder sexuell zu missbrauchen. Oft wird der geruchlose Stoff dazu unbemerkt ins Getränk gemischt.

Die Wirkung dieser Droge kann ganz unterschiedlich sein. Bereits nach 10 Minuten wird dem Opfer schwindelig und übel. Danach tritt Müdigkeit ein und die Opfer fallen in einen stundenlangen tiefen Schlaf – teils bis zur Bewusstlosigkeit.

Heroin

Heroin ist ein weißes bis braunes körniges Pulver, das in chemischen Verfahren aus dem Saft der Schlafmohnkapsel (Rohopium) gewonnen wird.

Es wird meist in gelöster Form in die Venen gespritzt. Seltener wird geschnupft, geraucht oder inhaliert. Heroin bewirkt beruhigend, einschläfernd und schmerzlindernd und löst teils Euphorieempfinden aus.

Risiken sind

  • Sehr starke Psychische und physische Abhängigkeit
  • Quälende Entzugserscheinungen, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Erbrechen und schmerzhafte Krämpfe
  • HIV-Gefahr, Gelbsucht durch nicht sterile Spritzen
  • Organschäden durch Strecksubstanzen
  • Atemlähmung bzw. Herzversagen bei Überdosierung
  • Körperlicher Verfall Dabei handelt es sich um Üilze

LSD (Lysergsäurediäthylamid)

LSD ist eine der stärksten Halluzinogene. Der Wirkstoff  (entdeckt 1943)  ist in so genannte „Trips“ eingebettet, die geschluckt werden und wirkt schon in kleinsten Mengen von einem Mikrogramm. Das können Pillen, Papierschnipsel mit Comic-Darstellungen oder Kapseln mit Pulver etc. sein.

Es besteht die Gefahr von starken psychischen Abhängigkeiten und so genannten „Horror-Trips“ mit Neigungen zur Selbsttötung. LSD bewirkt die Veränderung von Sinneseindrücken und erzeugt Wahnvorstellungen.

Psilocybin-Pilze

Der Konsum halluzinogener Pilze in der Partyszene ist ein ernst zu nehmendes Problem. Dabei handelt es sich um Pilze der Gattung „Psilocybe“ so genannte Magic Mushrooms. Diese Pilze werden nur als Rauschgift verwendet – sie sind keine Speisepilze. Die Dauer des Rausches beträgt bis zu 6 Stunden und die konkrete Wirkung ist sehr schwer vorherzusehen. Es können neben Halluzinationen, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit auftreten.

Diese Pilze sind nach dem BtMG verbotene Substanzen. Somit sind Besitz, Anbau, Erwerb, Einfuhr und Handel ausdrücklich strafbar. Auch Sporen und Zellkulturen dieser Pilze fallen unter das BtMG.

Die Hilfe

Kinder und Jugendliche müssen in die Lage versetzt werden, selbstständig „Nein zu Drogen“ sagen zu können. Dazu ist es erforderlich, ihr Selbstwertgefühl zu stärken, ihnen Konfliktfähigkeit zu vermitteln und Hilfen für eine aktive Lebensgestaltung zu geben.

Es kommt darauf an, Signale für drogenauffällige Lebenssituationen zu erkennen und zu reagieren. Niemand darf erwarten, die alleinige Warnung vor dem Konsum von Drogen und über die davon auszugehenden Gefahren seien eine ausreichende Vorbeugung. In manchen Fällen können sie das Gegenteil bewirken.

Auskünfte über Drogenberatungsstellen geben auch:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Ostmerheimer Str. 20, 51109 Köln, drugcom.de
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), Westenwall 4, 59065 Hamm, dhs.de
  • Deutscher Caritasverband, Karlstraße 40, 79104 Freiburg, drogenberatung-jj.de
  • Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der EKD, Altensteinstr. 51, 14195 Berlin, sucht.org

Quelle: „polizei-für-dich“ – Zentralstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Stuttgart.

Die Kriminalberatung.de empfiehlt Ihnen auch den aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Marlene Mortler. Dieser ist kostenlos zu beziehen unter Mail: publikationen@bundesregierung.de oder Tel. 030/182 722 721

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